Sonderfahrt mit KAE Triebwagen im Harz

10. März 2010 | von Michael Koopmann | Kategorie Aktuelles, Vorbild | 3 Kommentare »

Am 27. Februar veranstalteten die Eisenbahnfreunde Witten eine Sonderfahrt mit dem Triebwagen 187 011-2, ehemals VT 1 der Kreis Altenaer Eisenbahn (KAE), durch den Harz. Bei dieser Sonderfahrt waren auch einige Mitglieder unserer Museumsbahn dabei.

Von Gernrode aus wurde das beschauliche Selketal über Alexisbad, Stiege bis zum Bahnhof Eisfelder Talmühle durchfahren. Unterwegs wurden mehre Fotohalte durchgeführt. Bei teilweise strahlendem Sonnenschein entstanden im noch verschneiten Harz schöne Bilder. In Stiege konnte die bekannte Wendeschleife mit dem Triebwagen durchfahren werden. Am Bahnhof Eisfelder Talmühle bestand genug Aufenthalt um die hier wieder neu entstanden Bahnhofsgastronomie zu nutzen. Von hieraus ging es auf gleichen Wegen wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Leider präsentieren sich beide erhalten KAE-Triebwagen in einem schlechte Zustand. Rundherum sind große Roststellen nur notdürftig ausgebessert. Innen wie Aussen sieht man den Fahrzeugen ihr Alter von rund 55 Jahre leider an. Wie zu Erfahren war lässt auch die technische Zuverlässigkeit inzwischen sehr zu wünschen übrig. Trotzdem werden die Fahrzeuge noch regelmäßig im Planbetrieb der Harzer Schmalspurbahnen benötigt. So verkehren die Fahrzeuge auf dem kompletten 140 km langen schmalspurigen Streckennetz der HSB. Meistens aber im verkehrsschwachen Selketal. An diesem Wochenende war das Schwesterfahrzeug, der 187 013 – ex VT2 der KAE, hier auch im Planeinsatz unterwegs.

Für den Herbst dieses Jahres ist eine Wiederholung dieser Sonderfahrt geplant. Interessenten können sich gerne bei uns oder den Ef Witten melden.

Zur Geschichte der Triebwagen
Anfang der 1950er Jahre entwickelte die Firma Talbot in Aachen einen vierachsigen Triebwagentyp für normal- und schmalspurige NE-Bahnen. Das Typenprogramm für die Schmalspurtriebwagen umfasste den Typ „Schleswig“ mit einer Motorisierung von 1x oder 2x 110 PS Leistung für Strecken im Flachland (1 dieser Triebwagen befindet sich als ‚Ersatzexponat‘ in unserem Bestand!) . Für Mittelgebirgsstrecken gab es den Typ „Eifel“ mit 1x oder 2x 145 PS Maschinenleistung.
1955 kam mit dem Typ „Eifel II“ noch die Weiterentwicklung auf den Markt. Dieser war mit zwei 145 PS starken Deutz Motoren ausgerüstet und hatte eine durchgehende Frontscheibe mit runden Eckfenstern. Dadurch wirkte er wesentlich eleganter als seine Vorgänger. Von jedem Typ lieferte Talbot genau drei Triebwagen aus. Mit den Fabriknummer 97519 und 97520 bekam die Kreis-Altenaer Eisenbahn im Jahr 1955 die letzten beiden. Der heutige HSB Triebwagen 187 011-2 absolvierte 12.09.1955 seine Abnahmefahrt auf der KAE Strecke von Lüdenscheid nach Brüninghausen und zurück. Dort wurde er bis Mai 1961 eingesetzt. Lüdenscheid verließ er bereits mit seiner neuen Lackierung für die Inselbahn Langeoog. Seit dem 8.6.1961 stand er bei der ostfriesischen Inselbahn im Einsatz. Hier pendelte er dann mit zwei weiteren Talbot Triebwagen auf der 3,5 Kilometer langen Strecke vom Ort zum Hafen.

Nach der Anschaffung neuer Fahrzeuge wurde er dort im Jahr 1995 erwerbslos und an die Harzer Schmalspurbahnen verkauft. Diese suchte dringend Triebwagen, um den Nahverkehr zwischen Ilfeld und Nordhausen zu rationalisieren. Weiterhin sollten teure dampfbespannte Personenzüge in Tagesrandlage, besonders im Selketal, auf Triebwagen umgestellt werden.

Am 26.04.1995 verließ der Triebwagen seine langjährige ostfriesische Heimat auf Langeoog per Schiff und wurde dann per LKW-Tieflader in den Harz gebracht. Bevor er im Harz zum Einsatz kam, wurde er im Ausbesserungswerk Halberstadt einer Hauptuntersuchung unterzogen. Hierbei war auch der Einbau neuer Türen notwendig, denn sowohl bei der KAE als auch Langeoog gab es Türen nur auf einer Fahrzeugseite. Da die Triebwagen im Harz nicht mehr als Schlepptriebwagen eingesetzt werden sollten, wurden die beiden Maschinenanlagen ausgebaut und durch einen neuen Deutz Motor mit 210 PS ersetzt.

Seit 1996 stehen die beiden ehemaligen KAE-Triebwagen auf den Harzer Strecken im Einsatz und dürften hier mittlerweile deutlich mehr Kilometer als bei den Vorbesitzern gefahren haben. Sollten diese Triebwagen irgendwann bei der HSB nicht mehr benötigt werden, möchte unser Verein einen dieser Triebwagend übernehmen und der Nachwelt erhalten.

  1. 3 Antworten to “Sonderfahrt mit KAE Triebwagen im Harz”

  2. By Erich Arndt on Jul 28, 2010

    Die Besagte Abnahmefahrt fand zwar auf der Strecke Lüdenscheid – Brüninghausen (über Augustental) statt, eingestzt waren beide Triebwagen jedoch auf der Strecke Altena – Lüdenscheid. Nach Brüninghausen gab es nur Güterverkehr für die Fa. Plate.

  3. By G.H.Silla on Dez 14, 2012

    Die MME-Leute haben es gerade nötig, sich über den Zustand der beiden Fischstäbchen im Harz zu mokieren, lassen sie doch die VBs seit Jahren in Hüinghausen vergammeln.
    Die HSB haben die Aufarbeitung beider Fahrzeuge nach Fristablauf ausgeschrieben ! ! !

  4. By Michael Koopmann on Dez 14, 2012

    Guten Tag,

    leider hat sich durch die Hinterstellung der Beiwagen im Freien der Zustand verschlechtert. Beim Wagen VB 1 verhindern wir einen weiteren Zerfall in dem wir das Fahrzeug notdürftig mit LKW-Planen abgedeckt haben.

    Geplant ist einen der Beiwagen mittelfristig als richtigen Triebwagen-Beiwagen im KAE Zustand zu erhalten. 1-2 Wagen sollen langfristig wieder in den Original-Zustand als KAE Plattform-Wagen zurückgebaut werden. Hierfür wird der aktuelle Aufbau komplett entfernt werden und der Aufbau als Plattformwagen rekonstruiert. Aktuell dienen uns die Fahrzeuge als Lager.

    Natürlich können alle diese Projekte nur mit der notwendigen Unterstützung durch Sponsoren und Aktiver mitarbeit durchgeführt werden

    Mit freundlichen Grüßen
    Michael Koopmann (Webmaster MME)

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