Dampflokomotive Nr. 60 „BIEBERLIES“

Nr. 60 der Kleinbahn Giessen – Bieber

In den zwanziger Jahren beschaffte die im Volksmund liebevoll als „Lieschen“ oder „Bieberlies“ bezeichnete meterspurige Kleinbahn Gießen – Heuchelheim – Bieber (GB) insgesamt drei baugleiche Lokomotiven von der Firma Henschel & Sohn (Nr.1″, Fabr.-Nr. 17369/1920, Nr. (2″)60, Fabr.-Nr.19979/1923 und Nr. 3″, Fabr.-Nr. 20813/1927). Die Lok, ursprünglich als Nr. 2″ vorgesehene Maschine, wurde –vermutlich weil zu dem Zeitpunkt die Nr. 2`noch im Einsatz war- in Nr. 60 umgezeichnet, und die Nr. 3″ erhielt daraufhin die freigewordene Nr. 2“. Die Maschinen, die in üblicher Bauart gestaltet waren, wiesen zumindest einige, für die damalige Zeit bereits nicht mehr übliche Konstruktionsmerkmale auf, die sich wohl nur mit den Betriebs- und Werkstattverhältnissen der Bahn erklären lassen. So ist es in den zwanziger Jahren nicht mehr Stand der Technik gewesen, daß die Maschinen als Naßdampflokomotiven mit Flachschiebern und einem zweischienig geführten Kreuzkopf ausgeführt worden sind.

Als einzige Maschine blieb nach der Einstellung des Betriebes im Jahr 1964 die Lok 60 erhalten. Von zwei jungen Männern mit Unterstützung des Werkmeisters der Bahn äußerlich restauriert, wurde sie als Denkmal am Hotel Wettenberg aufgestellt.

Am 04. Dezember 1985 konnten wir die Lok als Dauerleihgabe übernehmen und von ihrem Denkmalsockel nach Hüinghausen überführen. Schon bald sollte mit der Instandsetzung begonnen werden, doch zeigten sich nach dem Beginn der Demontage so große Schäden, daß die Arbeiten zunächst nicht weitergeführt werden konnten. Erst als sich Ende der achtziger Jahre eine Möglichkeit bot, den Kessel bei zwei Firmen im Siegerland unter maßgeblicher Federführung des für uns zuständigen technischen Prüfers in Eigenregie grundlegend instand setzen zu können, bestand eine realistische Chance zur Wiederinbetriebnahme der Lokomotive. Zusätzlich eröffnete sich mit der deutsche Wiedervereinigung die Möglichkeit, die Aufarbeitung des Fahrwerks, der Aufbauten und den Zusammenbau der Maschine als ersten „Westauftrag“ an die Bahnwerkstatt Klostermansfeld des vormaligen Kupferbergbaukombinats „Wilhelm Pieck“ zu vergeben.

Am 27. Mai 1992 konnte sie feierlich auf den Namen „BIEBERLIES“, der an ihre alte Heimat erinnern soll, getauft werden. Als Taufpate konnte kein geringerer als der frühere hessische Ministerpräsident Albert Osswald gewonnen werden, der in seiner Zeit als Verkehrsminister dafür gesorgt hatte, daß die Maschine den beiden jungen Leuten, die sie so liebevoll gepflegt hatten, vom Land Hessen, dem die Bahn gehört hatte, geschenkt wurde.

Die Lok ist als „bewegliches Denkmal“ in die Denkmalliste der Stadt Plettenberg eingetragen.

Technische Daten:  
Hersteller Henschel
Fabriknummer 19979
Baujahr 1923
Bauart Cn2t
Gattung K 33.10
Leistung (PS/Zugkraft) ca. 200/5310kg
Dienstgewicht 28,2 Mp
Kohlevorrat 1,0 t
Wasservorrat 3,0 cbm
Raddurchmesser 830 mm
Achsstand 2400 mm
LüP 7400 mm
Höchstgeschwindigkeit 30 km/h
Kesseldruck 12 kp/qcm
Rostfläche 1,1 qm
Heizfläche 53,6 qm
Zylinderdurchmesser 350 mm
Kolbenhub 400 mm
Steuerung Heusinger, außen
Bremsen K-Br/Hbr
Bremsgewicht 16,2 t