Verein

Wieder eine Kleinbahn im Sauerland

Am 14. Juli 1982 wurde in Plettenberg der Verein “Märkische Museums-Eisenbahn e.V.” gegründet.

Die Gründung

Ausgelöst wurde die Gründung durch die Stillegung der Inselbahnen Juist und Spiekeroog, bei denen noch Schmalspurfahrzeuge von Kleinbahnen des Sauerlandes im Einsatz gewesen waren. Diese wohl letzte Gelegenheit, Originalfahrzeuge in ihre Heimat zurückzuholen, zu restaurieren und auf einer Museumsbahnstrecke auf geeignetem Gelände in Betrieb zu zeigen, ließen sich die Gründungsmitglieder nicht entgehen, als entsprechende Waggons zum Verkauf anstanden. So kamen Fahrzeuge der Kreis Altenaer Eisenbahn und der Plettenberger Kleinbahn zurück. Die Firma Graeka in Plettenberg-Eiringhausen, auf deren Betriebsgelände noch ein Gleisrest aus der Kleinbahnzeit vorhanden war, bot dem Verein eine vorläufige Abstellgelegenheit und ermöglichte in einem alten Kesselhaus, in dem eine provisorische Werkstatt eingerichtet wurde, den Beginn der Restaurierungsarbeiten. Die Suche nach weiteren erhaltenen Fahrzeugen begann und beschränkte sich zunächst auf Wagen folgender Kleinbahnen:

….sowie am Rande auch der Ruhr-Lippe-Eisenbahn (RLE) und einer Reihe von schmalspurigen Werkbahnen, zu denen zum Beispiel die “Harkortsche Kohlenbahn” zählte. Diese Bahn ist historisch von besonderem Interesse, da sie, von dem Industriepionier Friedrich Harkort gegründet, bereits 1830 – fünf Jahre von Nürnberg-Fürth – ihren Betrieb, allerdings zunächst als Pferdebahn, eröffnete. Der östliche Teil dieser Strecke wurde von der Hasper Hütte aus bis 1965 zur Schlackenhalde in Enerke betrieben.

Der Verein

Die Geschichte unserer Kleinbahn beginnt in der Folge der von der Bergisch-Märkischen Eisenbahn und in ihrer Nachfolge der Preußischen Staatsbahn gebauten Hauptstrecken im Lennetal, Ruhrtal und Volmetal, die später an weitere Nebenstrecken ergänzt wurden. Da jedoch etliche zum Teil auch sehr enge Seitentäler nicht erschlossen wurden, meldeten die hier ansässigen Orte und die zahllosen meist metallverarbeitenden Betriebe ihren Anspruch auf einen Anschluß an diese Bahnen an, um durch günstigere Transportmöglichkeiten konkurenzfähig bleiben und somit für die Bevölkerung die Arbeitsplätze sichern zu können.
Der Staat Preußen war an solchen Stichbahnen in der Regel nicht interessiert. So veranlaßten die Firmenbesitzer und Kommunalpolitiker die Gründung ihrer meterspurigen Schmalspurbahnen. Nur sie konnten die Ortschaften und Firmen in den engen Tälern erreichen und versorgen. Nach dem 2. Weltkrieg wurden diese Bahnen, die überwiegend auf den Straßen, seltener auf eigenem Bahnkörper fuhren, durch den wachsenden Automobilverkehr an den Rand gedrängt. Die Verlagerung von Transporten auf Bus und Lkw beraubte nach und nach alle Schmalspurbahnen ihrer Existenzgrundlage.

Um auch heute noch ein möglichst vollständiges Bild der früher einmal vorhandenen unterschiedlichen Fahrzeuggattungen vermitteln zu können, bemühte sich der Verein, Fahrzeuge unterschiedlichster Herkunft aus Deutschland, der Schweiz und sogar Polen nach Hüinghausen zu holen. Aus den oben schon erwähnten Gründen war der Wiederaufbau ehemaliger Streckenabschnitte der heimischen Kleinbahnen unmöglich. Einen geeigneten Platz zum Aufbau einer Museumsbahn fand der Verein auf der Trasse der 1969 stillgelegten und abgebauten Bundesbahnstrecke Plettenberg-Herscheid, zwischen dem Bahnhof Hüinghausen und dem Haltepunkt Köbbinghausen (ehemalige Kursbuchnummer 239k). Dieser Nebenbahnstrecke war bei ihrer Planung und Eröffnung 1915 eine große Zukunft prophezeit worden. Im Zuge einer strategischen Eisenbahnverbindung zwischen Kassel und Köln sollte die Trasse in unserem Raum von Plettenberg über Herscheid nach Lüdenscheid, von dort über die Volmetalbahn nach Gummersbach und über die Aggertalbahn nach Köln führen.
Die unterschiedlichen Vorstellungen der Stadt Lüdenscheid und der Eisenbahnverwaltung über die Linienführung in Lüdenscheid mit einer problemlosen Anbindung an die Volmetalstrecke brachten den Bau zum Erliegen, so daß die Strecke unvollendet blieb und als unbedeutende Stichbahn in Herscheid endete, was dann auch zwangsläufig zur frühzeitigen Einstellung führte. Aus dieser Strecke hat der Verein das Bahnhofsgelände Hüinghausen mit dem Empfangsgebäude 1984 von der Bundesbahn erworben. Ein anschließendes Streckenstück von etwa zwei Kilometern Länge wurde von der Stadt Plettenberg kostenlos zur Verfügung gestellt. Inzwischen wurde in diesem Bereich eine etwa 2,5 km lange Museumsbahnstrecke in Meterspur errichtet.

Der Betriebsmittelpunkt ist im Bahnhofsbereich Hüinghausen entstanden, wo das unter Denkmalschutz stehende Emfangsgebäude renoviert wurde. Dort ensteht auch zur Zeit ein Bahnbetriebswerk mit einer 3-gleisigen Wagenhalle, die u.a. durch die Nordrhein-Westfalen-Stiftung und durch rund 150.000 € Eigenleistung finanziert wird. Unterhalb des Dorfes Köbbinghausen wurde die Zwischenstation Seissenschmidt angelegt, die ihren Namen vom Gründer der benachbarten gleichnamigen Firma erhielt, die das für die Anlage dieser Station benötigte Grundstück zur Verfügung stellte. Wilhelm Seissenschmidt war vor rund einhundert Jahren der Initiator der Plettenberger Kleinbahn gewesen.
Etwas unterhalb des alten Haltepunktes Köbbinghausen, der etwa einen Kilometer vom gleichnamigen Dorf entfernt liegt, entstand die Endstation Köbbinghauser Hammer, die neben einem Umfahrungsgleis auch Abstellgleise erhalten hat. Hier hat die Museumsbahn in östlicher Richtung wegen der Überbauung der alten Bahnstrecke ihr Ende gefunden.

Die Zukunft

Über eine Erweiterung der Museumsstrecke in Richtung Herscheid, was den Rammberg-Tunnel und das Viadukt bei Birkenhof mit einschließen würde, wird in letzter Zeit wieder diskutiert. Besonders ein Marketingkonzept der Gemeinde Herscheid bestärkt diese Hoffnungen. Auch eine Erweiterung in Richtung Plettenberg scheint noch Möglich

Auf der bisher wiedererrichteten Strecke haben Besucher die Möglichkeit, die geretteten und wieder hergerichteten Fahrzeuge im Betriebseinsatz zu beobachten und bei einer Fahrt im Personenzug im wahrsten Sinne des Wortes zu “erfahren”.
Gerade diese, von den zahlreichen Besuchern so geschätzte Möglichkeit einer nostalgischen Reise mit der Dampfeisenbahn ist auch ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, der ganz wesentlich dazu beiträgt, die nicht unerheblichen Aufwendungen finanzieren zu können. Deshalb an dieser Stelle auch ein Appell an die “Nur-Fotografen” : Kaufen Sie als Beitrag für die schönen Motive eine Fahrkarte! Zwischen April und Oktober eines jeden Jahres rollen die Züge der Sauerländer Kleinbahn gemütlich – Blumenpflücken während der Fahrt ist trotzdem nicht erlaubt – durch die schöne Landschaft des Elsetals und vermitteln den Fahrgästen das Reisegefühl vergangener Jahrzehnte.

Weiter Bilder aus der Geschichte des Verein von 1982 bis heute finden Sie in der Galerie.

PDF IconSatzung des Vereins Märkische Museums-Eisenbahn e.V.